Offene Aufgaben sind im Grundsatz dadurch gekennzeichnet, dass die Schülerinnen und Schüler den Schwierigkeitsgrad selbst bestimmen und wählen können. Das Stellen von offenen Aufgaben beinhaltet vielfältige Variationsmöglichkeiten: So kann die Aufgabenstellung beispielsweise darin bestehen, dass die Lernenden selbst Aufgaben notieren, die ihnen bekannt sind. Die Aufgabenstellung kann allerdings auch enger gestellt werden. Im Bereich der Mathematik wäre eine enger gefasste Aufgabenstellung z.B. das Finden von Aufgaben, deren Ergebnis 100 ist. Die Gefahr, dass die Schülerinnen und Schüler einfache bzw. zu einfache Aufgaben wählen, ist in der Regel nicht gegeben. Der Schwierigkeitsgrad, den die Schüler wählen, ist in alle Regel höher als man es den Schülern grundsätzlich zumuten würde, und selbst wenn der Schwierigkeitsgrad zu Beginn zunächst einfach gehalten ist, muss dieses für den gewünschten Lernprozess nicht nachteilig sein. Die Lernenden verinnerlichen nämlich auf diese Weise die erforderlichen Regeln und Gesetzmäßigkeiten, die zum Lösen von schwierigeren Aufgaben von Bedeutung sind. Als Bilanz ist dann fest zu stellen, dass die Schüler durch ein verändertes Selbstkonzept nach einiger Zeit ein angemessenes Niveau der Aufgaben auswählen. Vor allem diese Veränderung des Selbstkonzepts der Schüler gilt als Vorstufe eines offen orientierten Unterrichtskonzepts, das ein positiv gestimmtes Lernklima zur Folge hat: es fordert und fördert die Selbstständigkeit in individuellen Lernprozessen. Durch die vielfältigen Differenzierungsmöglichkeiten der offenen Aufgaben können Schwierigkeiten und Unsicherheiten, die gerade zu Anfang einer offenen Unterrichtsreihe selbstverständlich sind, meist schnell beseitigt werden. Folglich spricht man bei dem Konzept des offenen Unterrichts und der offenen Aufgabenstellung von einem Instrument der natürlichen Differenzierung: Den Lernenden wird es ermöglicht, Umfang und Niveau der Aufgaben selbstständig zu wählen und sich an ihnen gemäß ihres aktuellen Lernstandes und Leistungsniveau weiterzuentwickeln.